Mannheimer Morgen – Sonntag aktuell, 26.03.2006


"Lehrer haben Recht auf politische Arbeit"

Demo gegen Berufsverbote

Karlsruhe/Heppenheim (lsw). Die Kritik an dem Berufsverbot für einen als linksextrem eingestuften Lehrer aus Heidelberg reißt nicht ab. "Eine stabile Demokratie muss auch Kritik und unbequeme Lehrerinnen und Lehrer aushalten - und das tut sie auch", sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Baden-Württemberg, Rainer Dahlem, gestern in Karlsruhe auf einer Demonstration gegen Berufsverbote.

Nach einer Entscheidung des Verwaltungsgericht Karlsruhe darf der 35-jährige Michael Csaszkóczy weder in Baden-Württemberg noch in Hessen unterrichten. Das Gericht hatte Mitte März eine Klage des Lehramtsanwärters abgewiesen, weil der Realschulpädagoge laut Verfassungsschutz und nach eigener Aussage einer antifaschistischen Gruppe in Heidelberg angehört. Diese Initiative sei gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung eingestellt. Das Gericht folgte den abschlägigen Entscheidungen des baden-württembergischen und des hessischen Kultusministeriums.

"Entscheidend für Einstellung und Entlassung in den Schuldienst kann nur das konkrete Verhalten bei der Ausübung der beruflichen Tätigkeit sein", sagte Dahlem vor rund 450 Demonstranten. Niemand zweifle an der fachlichen Kompetenz oder halte dem 35-Jährigen auch nur ansatzweise eine Beeinflussung seiner Schüler vor. Zudem hätten auch Lehrer das Recht zu einer politischen Arbeit. "Ein Lehrer, der sich offen gegen Krieg und Faschismus bekennt, ist mir tausend Mal lieber als jemand, der zu allem Ja und Amen sagt", betonte Dahlem.